Gesundheit

20. August 2013

An die Pflege denken

„An die Pflege denken“, den Auftrag bekamen die fünf Duisburger Bundestagskandidaten Bärbel Bas (SPD), Volker Mosblech (CDU), Matthias Schneider (Die Grünen), Jörg Löbe (FDP) und Lukas Hirtz (Die Linke) gestern aus erster Hand. Bei einer fachpolitischen Diskussion mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, unter Leitung von Diakonie-Geschäftsführer Stephan Kiepe-Fahrenholz, im Christophoruswerk, bekamen sie kurz vor der Wahl einige konkrete Aufträge mit auf ihren Weg in den Bundestag.

Wo es in der ambulanten Pflege hakt, hörten die Politiker von der Geschäftsführerin der evangelischen Sozialstation Jutta Schilling. Zwar gelte der Grundsatz: ambulant vor stationär, so Schilling, aber in der Praxis würden immer mehr Pflegeheime gebaut, weil sie lohnende Investitionsobjekte sind. Im ambulanten Bereich dagegen kämpften viele sehr kleine Anbieter ohne Tarifbindung ums Überleben. Mit deren Preisen könnten tarifgebundene Pflegeunternehmen nicht mithalten. Schilling forderte eine Nachbesserung des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes und eine Aussetzung der Stundenvergütung. Außerdem setzte sie sich für eine Wiedereinführung der kommunalen Bedarfsplanung in der Altenhilfe ein.

Volker Mosblech erzeugte einigen Unmut im Publikum, das zum großen Teil aus Pflegekräften des Christophoruswerkes bestand. „Das Thema wird in der nächsten Legislaturperiode ganz oben auf der Agenda stehen“, sagte er. „Wie oft wir das schon gehört haben“, gaben die Zuhörer zurück, „aber passiert ist bisher gar nichts.“ Bärbel Bas stimmte zu, dass es wieder eine Pflegeplanung vor Ort geben müsse, die mit der Einführung der Pflegeversicherung weggefallen war.

Frank Frischauf forderte eine Überprüfung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit und berichtete aus seiner Erfahrung als Leiter einer Altenpflegeeinrichtung, dass immer mehr Hochbetagte mit demenziellen Veränderungen in den Heimen lebten. „Wir arbeiten oft wie ein Hospiz, allerdings ohne die entsprechende finanzielle und personelle Ausstattung“, sagte er. „Wir brauchen bei der Bestimmung der Pflegebedürftigkeit eine deutlichere Beachtung der geistigen Einschränkungen.“

„Wer soll das bezahlen?“, fragte Kiepe-Fahrenholz seine Gäste aus der Politik. Mosblech und Löbe setzen auf kapitalgedeckte Zusatzversicherungen und kommunale Zuschüsse. Bas räumte ein, dass es wohl nicht ohne Steuererhöhungen zu machen sei und Hirtz blieb bei der Robin-Hood-Methode, das Geld von den Reichen zu nehmen, um die Ärmeren ohne Zuzahlung bedarfsgerecht versorgen zu können. „Wir müssen dafür mehr Geld ausgeben, denn er betrifft uns alle“, sagte Schneider. Zumindest nahmen alle die Kernforderungen der Pflegeprofis auf zwei „Denkzetteln“ mit auf ihren weiteren politischen Weg.