Jugend

16. August 2013

Schulsozialarbeit in Duisburg – eine Erfolgsgeschichte

Seit Februar 2012 arbeiten im Auftrag der Stadt Duisburg 45 Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) an 50 Duisburger Schulen, insbesondere an 38 Grundschulen.

Angestellt sind sie bei den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege. In dieser Zeit wurde von ihnen viel bewirkt. So wurden durch die Schulsozialarbeit nach dem BuT in 2012

  • rund 2500 Anträge zum Bildungs- und Teilhabepaket von Eltern, die Bezieher von Leistungen wie SGB II, Wohngeld, Kinderzuschlag sind, begleitet,
  • über 6.500 Schülerinnen und Schüler dieser Schulen persönlich beraten,
  • über 4.000 Beratungsgespräche mit Eltern (vor allem dieser SchülerInnen) geführt, 
  • über 3.000 kollegiale Beratungskontakte für Lehrer abgeschlossen,
  • über 500 sozial- und freizeitpädagogische Projekte in diesen Schulen angeboten. 

In Duisburg sind bereits seit längerer Zeit 55 Schulsozialarbeiter/innen im Rahmen des Landesprogrammes an Schulen tätig, ihre Refinanzierung geschieht über eingesparte Lehrerstellen. Doch für kleinere Systeme, wie Grundschulen, ist die Einsparung von Lehrerstellen nicht möglich, deshalb gab es in diesem Bereich noch keine Schulsozialarbeiter.

Durch das Bildungs- und Teilhabepaket konnte nun auch bei einem Teil dieser Schulen endlich Schulsozialarbeit installiert werden. Dies ist besonders positiv, da bedingt durch das jüngere Alter verbunden mit der noch frühen Schulerfahrung der Zugang zu Kindern und ihren Familien leichter und vor allem präventiv stattfinden kann. Schulsozialarbeit ist besonders erfolgversprechend, wenn Armutsprävention zu ihren primären Aufgabenfeldern zählt.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Berechnung der ALG II Sätze für Kinder und der daraufhin erfolgten Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets wurde bereits ein Rahmen gesetzt. Die Zielgruppe für Schulsozialarbeiter nach dem BuT sind vor allem Kinder aus Armutsverhältnissen. Armut ist der stärkste Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Weder Geschlecht, Migrationshintergrund oder andere Faktoren haben eine solch entscheidende Auswirkung auf die Lebenslagen und Entwicklungschancen von Kindern, wie Armut.

Auf den Aspekt des Sozialraums wurde bereits in der Planung zur Schulsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes Einfluss genommen, indem der Bedarf der Schulstandorte nach einem sozialen Index ermittelt wurde. Durch den besonderen Schwerpunkt in der Arbeit auf leistungsberechtigte Kinder findet zudem eine speziell präventive Arbeit der am stärksten benachteiligten Gruppe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien statt.

Die Beratung der Eltern seitens der Schulsozialarbeit ist für viele Familien der (leider) erste Zugang zu Beratungs- und Hilfsangeboten. Ein Qualitätsmerkmal des Jugendhilfeangebotes Schulsozialarbeit im Rahmen des BuT in der Trägerschaft der Freien Jugendhilfe ist die Einbindung und enge Vernetzungs- und Kooperationsmöglichkeit zu den Fachdiensten und Angeboten der Träger, z. B. der Sozial-, Erziehungs- oder Schuldnerberatung.

Der große Gewinn besteht darin, dass die Fachkräfte der Wohlfahrtsverbände frühzeitiger, kompetenter, zügiger und sehr niederschwellig über bestehende Hilfsangebote informieren können. Eltern werden schneller an z. B. Beratungsstellen weitergeleitet oder es können Hilfeangebote vermittelt werden. Eine enge Kooperation der Fachkräfte mit den innerverbandlichen Beratungs- und Hilfsangeboten stärkt zusätzlich die Erziehungskompetenz der Eltern unmittelbar.

Aktuell reichen die Fördermittel, die der Bund für einen Förderzeitraum von drei Jahren zur Verfügung gestellt hat, bis zum Februar 2015. Doch die Zielrichtung muss eine Verstetigung dieser so wichtigen Arbeit für unser Schulsystem über den genannten Förderzeitraum hinaus sein.

Die Schulsozialarbeit BuT in Duisburg

  • zeigt eine gelungene Kooperation von Jugendhilfe und Schule, 
  • hilft Kindern zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit, 
  • erreicht Eltern mit weitergehendem Hilfebedarf, 
  • hilft Kindern, die durch den familiären Wandel vielfältig belastet sind, durch Armut, fehlende Ausbildungs- und Berufsperspektiven, Gewalt und zu großem Medienkonsum, 
  • ist sozialraumorientiert und nutzt gewinnbringend die Ressourcen des Stadtteils, 
  • geschieht auf Augenhöhe von Schule und Trägern der Jugendhilfe. 

Die Duisburger Schulsozialarbeit BuT ist ein Erfolgsmodell und muss auch nach Februar 2015 weiterfinanziert werden. Deshalb fordert die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Duisburg alle Ratsmitglieder auf, sich, unabhängig ihrer politischen Zugehörigkeit, bei ihren Landtags- und Bundesabgeordneten für eine Weiterfinanzierung dieser wichtigen und erfolgreichen Maßnahme an Duisburger Schulen einzusetzen.

Download: Stellungnahme als PDF